Impuls für die Woche

Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,

 

liebe Freunde und Bekannte,

 

liebe E-Gemeinde,

 

 

 

angenommen und willkommen sein – Menschen spüren das sehr schnell –

 

genauso wie Ablehnung und Desinteresse.

 

Bei Freunden und Menschen, die wir gern haben, ist das mit dem Annehmen einfach,

 

aber bei Menschen, die uns verletzt haben und mit denen wir uns schwertun, ist es alles andere als das.

 

 

 

Trotzdem stellen sich Fragen:

 

  • Kann ich wirklich gut damit leben, dem anderen nicht zu vergeben und ihn/sie (als Mensch) anzunehmen?

 

  • Ist Annahme wirklich ein Eingeständnis, dass das Verhalten des/der Anderen gar nicht so schlimm war, dass es mich nicht (so tief) verletzt hat?

 

  • Ist Vergeben mit Vergessen gleichzusetzen – oder gehört nicht vielmehr das Erlebte zur unserer „Beziehungsgeschichte“ dazu?

 

  • Muss zur Annahme und zur Vergebung zwingend auch die Versöhnung gehören? Oftmals ist sie ja gar nicht möglich, wenn der/die andere (noch) nicht dazu bereit ist…

 

 

 

Fragen, die mich herausfordern und mein Einfühlungsvermögen (auch) in mein Gegenüber erfordern.

 

Dazu der angehängte Impuls zum Lesen und Nachdenken…

 

… sowie zwei Lieder zu Vertiefung und Mitsingen (Gotteslob Bamberger Anhang Nr. 777 und Gotteslob Nr. 273).

 

 

Hören wir abschließend und aufbrechend den Appell von Paulus aus der Lesung (2 Kor 5,19-20):

 

 

 

„Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat. Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“

 

 

 

Nutzen wir das Angebot des „Sakramentes der Versöhnung“ und die Chance zu einem Seelsorge- und/oder Beichtgespräch!

 

 

 

Dir/Euch/Ihnen eine Woche voller Offenherzigkeit und Barmherzigkeit!

 

 

 

Dr. Dieter G. Jung

Stellvertreter des Leitenden Pfarrers

 

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

Predigt            4. Fastensonntag im LJ C

 

2 Kor 5,17-21 + Lk 15,1-3.11-32

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche!

 

Voll unzufrieden: So fühle ich mich, wenn mein Leben so ganz anders verläuft als geplant – mein innerer und äußerer Friede sind gestört.

 

Voll ungerecht: So denke ich immer, wenn ich mich benachteiligt fühle – wo bleiben da Recht und Gerechtigkeit?

 

Voll unfair: So bricht es aus mir heraus, wenn andere bevorzugt werden, obwohl eigentlich ich an der Reihe wäre.

 

Jede und jeder kennt diese Gedanken und Gefühle. Jede und jeder kann sie mit Situationen des eigenen Lebens verbinden.

 

Anstelle einer Predigt an „einem Stück“ versetze ich mich heute ganz bewusst in die drei Personen des heutigen Evangeliums und mache ihre Gedanken hörbar. Hören Sie einfachfach zu – es ist ja ein Gleichnis wie aus dem realen Leben.

 

Stille

 

Voll ungerecht: Immer nur mein jüngerer Bruder: Er, er, er. 80% des Evangeliums handeln von ihm – ich finde das unfair. Immer nur er…

 

Er hat sich das Erbe auszahlen lassen – noch zu Lebzeiten unseres Vaters… und der Vater und ich konnten sehen, wie wir durchkommen…

 

Das ganze Geld hat er verschleudert und mit offenen Händen zum Fenster rausgeworfen… er hat nur an sich und sein Vergnügen gedacht… .

 

Voll ungerecht: Keinen Finger hat er krumm gemacht… und ich musste mich abrackern, tagein, tagaus – an Urlaub war gar nicht zu denken.

 

Und jetzt schenkt Papa dem da noch das schönste Gewand und einen Ring… und er nimmt ihn, den „verlorenen Sohn“ wieder in die Familie auf, um die sich „mein Bruder“ in den letzten Jahren einen feuchten Dreck gekümmert hat. Und ich, was habe ich? Um mich hat Papa sich nie gekümmert; nie hat er mir was geschenkt, obwohl ich die ganze Arbeit gemacht habe – ich finde das ungerecht von unserem Vater! Dass der auf diesen Hallodri von Sohn hereinfällt… Ich wünschte, mein Bruder wäre weg, weit weg – dort, wo er die letzten Jahre war! Mein Bruder ist für mich gestorben!

 

Ich kann gut verstehen, dass sich der ältere Bruder ungerecht behandelt fühlt… Mal hören, was der jüngere Bruder zu sagen hat.

 

Stille

 

Das hätte ich nicht gedacht, dass mein Vater so reagiert: Er hat mir einfach meinen Erbteil ausgezahlt, ohne ein Wort des Vorwurfs oder der Verärgerung. Er hat mich einfach gehen und mein Leben leben lassen – in aller Freiheit. Und wie war das schön, dieses Leben: Ohne Sorgen in den Tag hineinleben – ständig nur Party, Saufen bis zum Abwinken… Da hatte ich noch viele angeblich „gute Freunde“… – ich hätte nie gedacht, dass die mich einfach fallen lassen, wenn mein Geld alle ist!

 

Und dann kam der tiefe Fall. Ich landete im Dreck. Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Leben ‘mal Schweine hüten muss. Schweine gelten bei uns Juden als unreine Tiere, deshalb essen wir sie nicht, um nicht selbst unrein zu werden. Mein Leben war ein einziger Saustall – entwürdigend, mit Schweinen zusammenleben zu müssen, aber die hatten wenigstens was zu essen… Das hätte ich nicht gedacht, dass ich mich noch einmal nach „meinem ehemaligen Zuhause“ sehnen würde... Ich bereute mein Verhalten und beschloss als Knecht bei meinem Vater zu arbeiten – wenn er mich lässt. Doch das hätte ich nicht erwartet, dass mein Vater mir entgegenläuft mit offenen Armen; dass er mich aufrichtet und ein Festgewand anlegt; dass er kein böses Wort für mich übrig hat, sondern nur gute und wohlwollende; dass er mich immer noch als „seinen Sohn“ ansieht, trotz allem was war; dass er mir zu Ehren ein Fest gibt – ein Fest der Versöhnung – … ich hätte heulen können vor Glück.

 

Hmmm, das war und ist ja eine Achterbahn von Gefühlen…

 

Was wohl den Vater bewegt hat, so barmherzig zu handeln?

 

Stille

 

Was hätte ich denn machen sollen – es sind doch beides „mein Söhne“. Den jüngeren habe ich äußerlich verloren: Er ist einfach weggegangen. Das hat mir damals sehr wehgetan, aber ich konnte ihn nicht aufhalten … und ich wollte ihn nicht mit Schimpf und Schande vom Hof jagen – er war, ist und bleibt „mein Sohn“... Und meinen Ältester, den habe ich auch verloren: Er hat sich innerlich immer mehr von mir entfernt und sich abgekapselt. Ich bin einfach nicht mehr an ihn herangekommen, obwohl er mir so nahe war…, obwohl er doch alles hatte. Er hat nie mit mir darüber geredet. Ich weiß nicht warum… Auch er war, ist und bleibt „mein Sohn“… Wie habe ich mich gefreut, als ich meinen jüngeren wiedersah. Er hat den Weg zurückgefunden – mein Haus und mein Herz standen ihm ja immer offen. Ich habe ihm alles verziehen. Jedes böse Wort wäre ein Stich ins Herz gewesen und hätte unsere Beziehung zerstört – das wollte ich nicht. Ich wollte Herz und Herzlichkeit zeigen – Barmherzigkeit. Für mich war das wie ein neues Leben: „Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Lk 15,24).

 

Wenn ich doch auch den Weg zu meinem anderen Sohn wiederfinden könnte, oder er zu mir… Ich habe schon gespürt, dass er ziemlich unzufrieden ist und sich von mir ungerecht und unfair behandelt fühlt... Ich habe ihm aber gar nichts Schlechtes getan, sondern seinem Bruder nur Gutes. Ich habe ihn eingeladen mit uns ein Fest zu feiern, ein Fest der Versöhnung. Ob er wohl kommen wird? … Ich hoffe es so für uns als Familie… .

 

Der Vater hat ja auch viel durchgemacht und alles versucht, auch seine beiden verlorenen Söhne wieder miteinander zu versöhnen.

 

Stille

 

Drei Personen – drei Perspektiven auf ein- und dasselbe Geschehen – drei verschiedene Haltungen und Handlungsweisen – drei Personen.

 

Wo stehe ich? Welche Rolle nehme ich im Leben ein?

 

Die eines der beiden Söhne, die des Vaters – oder vielleicht sogar alle drei?