Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
in meiner Schulzeit habe ich mir manchmal wichtige Dinge auf die Hand geschrieben, damit ich sie nicht vergesse: eine Verabredung, oder Hausaufgaben, wenn das Hausaufgabenheft nicht zur Hand war.

Bild: lisa runnels/Pixabay
Vielleicht sollte ich mir auch als Erwachsener wichtige Dinge in die Hand oder auf die Hand schreiben…
… wie Gott, der durch den Prophet Jesaja damals zu den Israeliten und heute zu jeden Menschen spricht:
Sieh her: Ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben, ich habe Dich immer vor Augen (Jes 49,16).
Ich stehe in Gottes Hand geschrieben – ein schönes Bild der Annahme, der Geborgenheit und des Schutzes.
Gestern beim Erstkommunion-
Ein Foto und der Name jedes Kommunionkindes wurde auf mehrere Hände geklebt – geborgen in den Händen der Eltern/Familie.
Diese einzelnen „Handbilder“ wurden sichtbar in eine „große Hand“ gestellt – geborgen in Gottes Hand.
Die Namen der Kinder (und die helfenden Hände der Eltern/Familie) stehen damit in Gottes Hand geschrieben:
Ich habe deinen Namen in meine Hand geschrieben.
Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände (Jes 49,16), spricht Gott.
Einen Namen zu haben ist wichtig für einen selbst, aber auch für das Miteinander.
In der alttestamentlichen Lesung des 3. Fastensonntags nennt Gott seinen Namen und ist ansprechbar.
Ein Name ermöglicht die Kontaktaufnahme zu Gott und die Beziehungspflege mit Ihm im Gespräch und im Gebet.
Dazu der heutige Impuls für die Woche als „Impuls zum Reden mit Gott“.
Viel Freude dabei und auch beim Lesen.
Anbei noch ein Lied zur Vertiefung: „Kommt herbei, singt dem Herrn“ (Gotteslob 140 / 1-3)
Dir/Ihnen/Euch eine gesegnete Woche, in der Gottes Gegenwart (neu) spürbar wird!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
Predigt 3. Fastensonntag im LJ C
Ex 3,1-8a.13-15 + Lk 13,1-9
Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder!
Wie heißt du? Es ist eine der ersten Fragen, die Kinder einander stellen, die sich noch nicht kennen und die miteinander spielen möchten: Wie heißt du? Wie heißen Sie? Eine Frage, die mir als Erwachsenen gestellt wird – beim Arzt, oder auch wenn ich vergessen habe, mich vorzustellen. Ich bin froh, dass ich einen Namen habe, denn mein Name macht mich ansprechbar.
In der Lesung wurde einer beim Namen gerufen: Mose. Dieser Mose sieht etwas ganz Ungewöhnliches: einen brennenden Dornbusch, der nicht verbrennt und nicht zu Asche wird. So etwas hat Mose noch nie gesehen: „Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?“ (Ex 3,3), fragt sich Mose. … Mose spürt, dass Gott am Werk ist und er es mit Gott zu tun hat. … Schließlich traut sich Mose, Gott nach seinem Namen zu fragen. … Das heißt, er traut sich nicht so richtig. Er versteckt sich hinter den Israeliten und sagt: Wenn die Israeliten mich fragen, „Wie heißt er? Was soll ich ihnen dann sagen?“ (Ex 3,13) Eigentlich möchte Mose selbst gern wissen, wie Gott heißt, ob er einen Namen hat und ansprechbar ist, oder ob er einfach nur „Gott“ heißt – kein Wunder, dass Mose nachfragt! Es ist nicht so selbstverständlich, dass Gott einen Namen hat. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen unseren Namen und dem Namen Gottes. Bei uns Menschen ist es so: Wenn wir jemanden mit Namen anreden können, dann können wir auch auf ihn zeigen: auf ……………….. oder auf ………………... . Wenn wir aber Gott mit einem Namen anreden, dann könnten wir sagen: Da ist Gott – und da nicht. Aber das geht nicht! Gott ist doch überall! Wir haben es ja vorhin auch gesungen: „Überall ist er und nirgends“ (Gotteslob 140/2).
Der Islam kennt zwar 99 Namen Allahs – der Koran überliefert sogar nach mehr Namen, aber selbst das reicht nicht. Hätte man alle Namen aufgezählt, könnte man sich immer noch fragen: Und? Ist Gott nicht viel mehr? Es hilft, viele Namen für Gott zu haben, so ist der eine Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ansprechbar. Doch der „Name“ Gottes in der Lesung (vgl. Ex 3,1-8a.13-15) ist kein Name im eigentlichen Sinn, sondern ein Rätsel. Gott sagt zu Mose: „Ich bin, der ich bin“ (Ex 3,14). Ja, was bist du denn nun?, müssten wir Gott fragen. Die alte Einheitsübersetzung bietet: „Ich bin der ‚Ich bin da‘ “ (Ex 3,14) – das ist eine schöne Deutung von „Ich bin, der ich bin“, aber nur eine von mehreren möglichen Auflösungen des Rätsels.
• „Ich bin, der ich bin“, heißt auch: „Ich bin der, der ich immer schon war“, nämlich der Gott „eurer Väter“ (Ex 3,15). Gott erinnert Mose daran, dass er mit den Vorfahren des Volkes Israel, mit Abraham, Isaak und Jakob einen Bund geschlossen hatte. Gott ist also für die Israeliten kein Unbekannter.
• Das Rätsel lässt sich auch so auflösen: „Ich bin, der ich eben bin“, sagt Gott. Wir haben keine „Macht“ über Gott: Wenn Günter und Birgit ihren Hund beim Namen rufen, dann merkt er auf und spitzt die Ohren; wenn ich jetzt ……………… beim Namen rufe, dann schaut er her – aber geht das mit Gott auch? „He, Gott, schau mal her!“ – So einfach ist das wohl nicht.
• „Ich bin, der ich bin“ kann auch heißen: „Ich bin der, der ich sein werde“. Diese rätselhafte Bedeutung löst sich für Mose und die Israeliten erst in der Zukunft. Durch das Eingreifen Gottes werden die Israeliten auf wunderbare Weise aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Gott zeigt sich als einer, der die Freiheit will – für jede(n): Niemand soll unterdrückt werden. Gott will nicht, dass Menschen ausgebeutet werden und sich vor anderen kleinmachen müssen. Gott will, dass Menschen einander auf Augenhöhe begegnen können und keine Angst haben brauchen – auch das steckt in dem Namen Gottes.
Und dann nennt Gott doch noch einen Namen: Bei den Juden wird er nicht ausgesprochen, und auch wir sollten ihn nur schreiben, mit vier Konsonanten und keine Vokale ergänzen: J-H-W-H. Wenn unsere jüdischen Geschwister diese Buchstaben sehen, sagen sie: „Adonai“, oder „Der Ewige“, oder „Ha-Schem“, das heißt: „der Name“. Wir Christen sagen in Anlehnung an „Adonai“ „der Herr“. Es ist gut, wenn wir einen Unterschied machen zu unseren menschlichen Namen, denn wir können Gott nicht einfach „benennen“. Aber wir können – wie es die Lesung tut – in die Geschichte schauen und deuten: Hier hat Gott gehandelt. Hier hat sich Gott gezeigt. Das will Gott. Wir erfahren, dass Gott die Menschen liebt, befreit und will, dass sie als freie Menschen leben – nicht als Unterdrückte, nicht in Angst. Wir lernen, dass Gott da ist, schon immer da war und immer da sein wird.
Warum fragt Gott eigentlich nie: „Wie heißt du?“ Weil Gott Dich, Sie, Dich und mich längst beim Namen kennt, beim Namen ruft und lieb hat. Amen.