Ein seligmachender Impuls?

Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,

liebe Freunde und Bekannte,

liebe E-Gemeinde,

 

Mensch, ärgere Dich nicht!

Ich will ehrlich sein: Ich habe diesen Impuls – hier angehängt mit kleinen Aktualisierungen – schon mal versandt…

Mensch, ärgere Dich nicht!

… es war eine tolle ökumenische Fortbildung zum Thema „Wandelmut“ und eine volle Restwoche – ich habe es zeitlich nicht mehr geschafft, eine neue Predigt bzw. einen neuen Impuls zu entwerfen…

Mensch, ärgere Dich nicht!

… Fremdes kopieren, anderen „etwas“ predigen, was nicht meines ist, und als meines „verkaufen“, wollte ich nicht…

Mensch, ärgere Dich nicht!

… der angehängte (seligmachende?) Impuls sind meine eigenen Worte – und sie sind immer noch gültig…

Mensch, ärgere Dich nicht!

… aber wir alle sind andere als vor drei Jahren, und deshalb spricht uns der Impuls auch anderes an, hören wir anderes (heraus), denken wir vielleicht anders darüber.

Mensch, ärgere Dich nicht!

 

Herzlichen Einladung nicht zum Ärgern, sondern zum „trotzdem“ Lesen und zum darüber Nachdenken.

 

Anbei noch ein Lied, das auf den Impuls einstimmt, oder ihn nachklingen und konkret werden lässt:

Hier der Lied-LINK zu den Gotteslob-Nummern 458 + 459.

 

Dir/Euch/Ihnen eine gute, gesegnete und gelingende Woche – ohne viel Ärger.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Dieter G. Jung

Stellvertreter des Leitenden Pfarrers

Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land

zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau

Predigt  6. Sonntag im Jahreskreis; LJ C

Jer 17,5-8 + Lk 6,17-18a.20-26

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, leibe Jugendliche!

Leider verloren! Mensch, ärgere dich nicht! Leider verloren! Schöne Sch….

Mal ehrlich: Möchten Sie zu den Verlierern gehören? Hungern, klagen und weinen – trostlos – gehasst, verrufen, verschmäht und erfolglos sein – „um des Menschensohnes willen“ (Lk 6,22). Wer will das schon, dieses traurige Dasein, auch wenn es selig machen soll? Auf den großen Lohn im Himmel kann ich getrost verzichten, wenn ich dafür in diesem Leben leiden muss: Ich will Freude und die Lust am Leben im Hier und Jetzt spüren!

Keine Frage, warum die Kirche in Deutschland fortlaufenden Erfolg hat – immer mehr Menschen kehren den christlichen Kirchen den Rücken und gehen. Sie gehen, weil es Missbrauch und Skandale gab und gibt. Aber sie gehen auch, weil es ihnen gut geht – zu gut –, weil die Botschaft Jesu sie nicht erreicht, weil es nicht „ihre“ Botschaft ist. Jesu Botschaft gilt primär den Armen; für die Armen ist sie Zuspruch und Hoffnungswort: „Selig, die ihr jetzt …, denn“ (Lk 6,20-22) – eine wirkliche Frohe Botschaft. Und auch Freude darüber, dass bestehende Missverhältnisse und prekäre Lebenssituationen sich zum Guten ändern werden – auch wenn das bedeutet, dass diejenigen, denen es jetzt gut geht, später leiden werden.

Mich ärgern die Seligpreisungen im Lukasevangelium: Sie klingen wie eine billige Vertröstung auf das Jenseits – dann nach dem Tod, wird alles gut – wer’s glaubt wird selig! Gerechtigkeit sieht für mich anders aus: Schon auf Erden soll es allen Menschen gut gehen – nicht erst im Himmel! Was hilft es der Flüchtlingsfamilie, auf einem sinkenden Boot im Mittelmeer, oder von Abschiebung bedroht? Welchen Trost bringen diese Aussagen Jesu für hungernde, ausgezehrte und medizinisch nicht versorgte Menschen in Entwicklungsländern? Was hilft es der Alleinerziehenden, die keine Arbeit findet? Was bringt es dem Jugendlichen, der gemobbt wird?

Auf den ersten Blick „bringt“ die Botschaft Jesu nichts: Den Armen und Schwachen macht sie zwar Mut, aber wenn sich nichts an ihrer prekären Lebenssituation verändert, war es das auch. Dann tragen diese ermutigenden Worte irgendwann nicht mehr; dann brechen Menschenleben zusammen; dann bleibt letztendlich nichts als Mutlosigkeit und Resignation zurück.

Das Lukasevangelium will durch zwei – wie mir scheint wichtige Details – eine andere Reaktion hervorrufen. Die Seligpreisungen stehen auch im Matthäusevangelium – dort sind sie Teil der „Bergpredigt“ (Mt 5,1-7,29). Bei Lukas gehören sie zur sogenannten „Feldrede“. Sie beginnt nach der Berufung der Jünger mit den Worten: „Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene […] blieb er stehen“ (Lk 6,17). Jesus redete zu den Menschen nicht „von oben herab“. Er steigt hinunter zu denen, die arm, krank und/oder hungrig sind. Jesus begegnet ihnen auf Augenhöhe: Er sieht ihren Sorgen und Problemen ins Auge. Er sieht ihren Alltag und das, was sie bewegt, umtreibt und belastet. In diese Situation hinein spricht Jesus seine menschennah zugewandte und aufrichtende Botschaft. Mit Jesus Christus bricht das Reich Gottes an. In Ihm steckt die verändernde Kraft hin zu einer besseren Welt, zum Reich Gottes mitten unter den Menschen.

Im Evangelium nach Lukas stehen – anders als bei Matthäus – nicht nur die Seligpreisungen, sondern als Gegengewicht die Weherufe. Diese Botschaft ist eine Mahnung an die Reichen, Satten, Lachenden und Erfolgreichen, sich durch den eigenen Lebensstil nicht selbst vom Reich Gottes auszuschließen (vgl. Lk 13,24-28) – und sie ist zugleich ein Appell, am Reich Gottes und an einer besseren und gerechteren Welt mitzubauen: Es geht nicht um ein immer mehr für mich. Erfülltes Leben besteht nicht im eigenen Luxus, nicht darin der Beste zu sein, die Angesehenste auch und nicht darin, immer lachend im Mittelpunkt zu stehen. Es geht nicht nur um mich, sondern um alle – darum, dass auch Arme und am Rand Stehende am Leben teilhaben können: Ermöglichung von Partizipation an erfülltem, gutem Leben, genau das meint „deinen Nächsten [zu lieben] wie dich selbst“ (Lk 10,27) – nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Wenn ich so handle, habe ich nicht verloren – wenn jede und jeder so handelt, können wir alle gewinnen und alle selig werden und glücklich sein – wenn wir alle so handeln, sind glaubwürdig Kirche.   Amen.