Liebe Christinnen und Christen im SSB Hofer Land und darüber hinaus,
liebe Freunde und Bekannte,
liebe E-Gemeinde,
ein Lied soll heute am Beginn dieses Impulses stehen: Herr, du bist mein Leben (GL 456).
Hier der Lied-LINK zum Mitsingen.
Im Vertrauen auf Jesus und „auf sein Wort hin“ das Leben und Neues wagen,
darum dreht sich auch dem Impuls für die Woche –
ein Impuls, der in die Tiefe führt,
ein „Tiefgang“ nicht nur für Wagemutige
um über sich und das eigene Leben nachzudenken:
nicht von anderen „geködert werden“ oder im eigenen Ich „gefangen sein“,
sondern in und mit Jesus Christus „das wahre Leben finden“
nicht anderen „ins Netz gehen“ oder hilflos im „Netz zappeln“,
sondern aus Gnade berufen sein zur Freiheit der Kinder Gottes
nicht passiv „abhängig sein“ oder spirituell am „Angelhaken zappeln“,
sondern aktiv als Menschenfischer andere für Gott gewinnen
Anbei noch ein Video, dass es sich zu sehen und mit anderen zu teilen lohnt.
Ich wünsche Dir/Ihnen/Euch für die neue Woche Geduld, wenn Dinge und Vorhaben nicht den erwünschten Erfolg bringen;
Ich wünsche Dir/Ihnen/Euch Offenheit und Vertrauen, „auf sein Wort“ zu hören, „sein Wort“ anzunehmen und „auf sein Wort hin“, Neues zu wagen
Ich wünsche Dir/Ihnen/Euch Mut, „die immer gleichen, alten, abgefischte Stellen“ aufzugeben und dorthin zu gehen „wo es tief ist“, dorthin, wo die Fische sind.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter G. Jung
Stellvertreter des Leitenden Pfarrers
Pfarradministrator im Katholischen Seelsorgebereich Hofer Land
zuständig für Schwarzenbach a. d. Saale – Oberkotzau – Rehau
Predigt 5. Sonntag im Jahreskreis; LJ C
Jes 6,1-2a.3-8+ Lk 5,1-11
Liebe Schwestern und Brüder!
Ein neues Projekt steht an, ein neues Vorhaben. Wie soll ich vorgehen, um gut ans Ziel zu kommen? Jede(r) von uns hat da eigene Erfolgsstrategien: Eine gute Planung, Nutzung von Erfahrungswerten und Anstrengung, bis es läuft – so bin ich es gewohnt und fahre meist nicht schlecht damit. Wer aber die ganze Nacht durchrackert und dann müde und erschöpft in leere Netze schauen muss, ist verständlicherweise enttäuscht. Er/sie schuftet bis zur Überforderung … und ist doch vor einer Pleite nicht gefeit.
Im Evangelium (Lk 5,1-11) schlägt Jesus den Jüngern nach erfolglos durchfischter Nacht einen Strategiewechsel vor: Handelt auf mein Wort hin! Fischt nicht am seichten Ufer oder an der Oberfläche; fischt nicht im Trüben, sondern: „Fahr(t) hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ (Lk 5,4) Glaubt mir und lasst eure Netze in die Tiefe hinunter! Jesus zu vertrauen hat Tiefgang: Die Jünger Jesu – damals wie heute – sollen der Sache auf den Grund gehen. Hier sind meine Spiritualität, mein Vertrauen und auch mein (Wage-)Mut gefordert: Selbst wenn mir ein Vorhaben aussichtslos scheint, versuche ich es auf Jesu Wort hin trotzdem – versuche ich es erneut – versuche ich es anders. Volle Netze werden möglich, sobald ich nicht nur auf mich setze, sondern auf Gottes Möglichkeiten vertraue.
Gehen Sie doch einmal in die Tiefe und Ihrem Verhalten auf den Grund: Welche Handlungsmuster erkenne ich tief in mir und in meiner Biografie? Wem traue ich zu, mir zum Erfolg zu verhelfen? Was sind für mich Worte der Ermutigung? Wie/woran erkenne ich, dass ich eine besondere Aufgabe im Leben habe, der oftmals meine Lebensvorstellungen im Weg stehen?
Ich selber hatte mir als junger Erwachsener zwar vorstellen können, Priester zu werden – mir aber nicht vorstellen können, wie ich das leben könnte. Ich habe deshalb zunächst einen anderen Beruf gewählt, nicht aus Geringschätzung des priesterlichen Dienstes, sondern aus Angst vor der Überforderung durch diese Berufung: Sie ist eben etwas anderes als ein „Beruf“. Heute im Rückblick kann ich sagen, dass es für mich kein Umweg, sondern der richtige Weg war, mein Weg: die Anstellung als Brückenbauingenieur – ich habe gerne in diesem Beruf gearbeitet – die Fragen guter Freunde und die Anfragen Gottes, ob nicht doch etwas anderes besser für mich wäre – das Zweifeln, ob ich diesen Weg wirklich wagen sollte – wichtige Zeichen und Gespräche in dieser Zeit des Ringens – schließlich mein Ja zu diesem Weg, zu dieser Zumutung Gottes in meinem Leben: Auf dein Wort hin!
Zweifel gehören zur Berufung dazu! Auch bei den Berufungserzählungen des Alten Testaments ist das so. In der heutigen Lesung (Jes 6,1-2a.3-8) sieht Jesaja in einer Vision die Erhabenheit Gottes und die himmlische Liturgie. Jesaja kommt sich richtig klein vor, angesichts der Größe Gottes – und als „Mann unreiner Lippen“ (Jes 6,5) auch unwürdig. Mit einer glühenden Kohle vom Altar wird Jesaja aber nicht als schwacher und sündiger Mensch gebrandmarkt, sondern er wird ermutigt, alles zu wagen, wozu der Allmächtige ihn fragend auffordert: „Wen soll ich senden?“ (Jes 6,8)
Durch die glühende Kohle wird das Unreine von Jesajas Lippen weggebrannt. Das klingt für unsere Ohren zwar grausam, ist aber das Zeichen der Nähe Gottes: Die glühende Kohle verbrennt Jesaja nicht den Mund – und Jesaja verbrennt sich nicht den Mund an Gottes Wort. Jesaja kann und soll reden. Mit Feuereifer und mit Feuer im Herzen soll Jesaja Gottes Wort verkünden, so dass der Funke überspringt. Sein Ja zu seiner Berufung, sein „Hier bin ich, sende mich“ (Jes 6,8), ist da erst der Anfang.
Wie ist das in unserer Zeit mit Gottes Ruf? Wer will, dass mit glühenden Kohlen sein Mund berührt wird? Kaum jemand glaubt heute noch an solche außergewöhnliche Berufungsgeschichten. Umso wichtiger ist es, die eigene Berufung zum Dienst vor Gott und zum Dienst an den Menschen zu erkennen, für Menschen in Not „die Kohlen aus dem Feuer zu holen“ und so Gottes Wort glaubhaft in die Tat umzusetzen. Die Glut des Glaubens soll nicht verlöschen. Vielmehr soll sie durch uns neu entfacht und zu einem Feuerwerk des Glauben werden. Als Christen sind wir nicht Verwalter der Asche, sondern Hüter der Glut. Es liegt an uns, eine Atmosphäre zu schaffen, dass daraus wieder ein Feuer wird. Es liegt an mir, ob mein Glaube bei anderen einen „verkohlten“ Eindruck hinterlässt, oder ob der Funke überspringt und sich Menschen davon anstecken und begeistern lassen.
Wichtig ist, auch andere mit einzubeziehen, anzuerkennen, dass auch sie berufen sind in der Gemeinde und in der Gemeinschaft der Kirche: Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche. Es kommt auf jede und jeden Einzelnen an – aber nicht als Einzelkämpfer, sondern als „starke Gemeinschaft“: Gemeinsam und mit vereinten Kräften füllen die Jünger die beiden Boote. Die dazu Ermutigten und Berufenen werden zu kooperierenden „Gefährten“ (Lk 5,7) – oder wie Fridolin Stier übersetzt – zu „Teilhabern“ des Erfolgs.
Bei allem Mut, den ein solches Handeln von den müden und erschöpften Jüngern – den das Verlassen von Gewohntem in unserem oft erfolglosen Bemühen – erfordert, gilt doch die Zusage Jesu: „Fürchte dich nicht!“ (Lk 5,10) Die Jünger damals hatten Mut, Neues zu wagen, ihr altes Leben und alte Verhaltensmuster zurückzulassen und Jesus nachzufolgen – auf sein Wort hin. Und wir? Und ich? Traue ich mich? Fürchte dich nicht! Amen.